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3 Lernfehler, die ich in meinem berufsbegleitenden Masterstudium gemacht habe

Ich habe für mein berufsbegleitendes Masterstudium 9 Jahre gebraucht.
Das hatte verschiedene Gründe und ich war natürlich in dieser Zeit nicht untätig. Ich habe mich beruflich weiterentwickelt, zahlreiche Weiterbildungen gemacht, eine Familie gegründet, ein Haus renoviert und viele neue Orte entdeckt.
Neben all diesen Dingen stand ich mir aber auch viel zu oft selbst im Weg. Drei Fehler waren besonders relevant und deswegen möchte ich sie heute mit dir teilen.

💡 Lernfehler entstehen oft aus Gewohnheiten, die nicht hinterfragt werden
💡 Wer die richtigen Strategien kennt und eine ehrliche Reflexion wagt, lernt dauerhaft wirksamer
💡 Berufsbegleitend Lernen erfordert eher Selbstführung als Disziplin

Fehler 1: Lernstrategien, die ausbaufähig waren

Ich habe viele Stunden damit verbracht, Zusammenfassungen zu schreiben.
Das Problem dabei war, dass ich das oft mit zu wenig Konzentration gemacht und zu wenig aktiv mit den Inhalten gearbeitet habe. Das eigentliche Lernen habe ich auf „später“ verschoben. So ist aber kostbare Lernzeit verstrichen, die ich viel besser hätte nutzen können.
Beim Lernen selbst habe ich immerhin teilweise mit Bildern, MindMaps und Akronymen gearbeitet – aber da geht noch wesentlich mehr: Mnemotechniken, Methoden zum gehirngerechten Texterfassen und Visualisierungsstrategien.

Was ich heute anders machen würde: Jede einzelne Lernminute für aktives Erarbeiten nutzen. Wenn man nur begrenzte Zeit zur Verfügung hat, muss diese umso effektiver genutzt werden.

Fehler 2: Perfektionismus als getarnte Prokrastination

Ich wollte die Zusammenfassungen natürlich perfekt machen und alle Themen lernen. Als wäre die 1,0 immer das logische Ziel, statt das Ziel realistisch auf das vorhandene Zeitbudget anzupassen.
Und das kommt zusammen mit viel Flexibilität, die ja eigentlich und auch ein Vorteil ist: Da ich quasi ständig Prüfungen schreiben kann, ohne einen festen Zeitraum, fehlte mir die vorgegebene Deadline und ich hatte keine Strategie, damit umzugehen. Eine Prüfung um ein ganzes Semester zu schieben ist eben eine größere Hürde als „ach ich warte noch 2 Wochen, dann habe ich noch mehr Zeit zum Lernen“.
Der Perfektionismus war für mich der ideale Vorwand für Prokrastination, auch deswegen, weil das reine Auswendiglernen – wie es in meiner Vorgehensweise dann notwendig wäre – für mich schon immer schwierig war.

Was ich heute anders machen würde: Ich lerne nach dem Prinzip „Gut genug für den Moment“. Es ist völlig okay, Lücken erst einmal auszuhalten und weiterzugehen, um den Gesamtzusammenhang zu verstehen.

Fehler 3: Keine Routine, keine Kontinuität

Ich hatte während des Studiums nur begrenzt Zeit für Lernzeiten, abhängig von der jeweiligen Lebensphase. Vor allem war die Zeit eher in kleineren Blöcken da, größere Zeitfenster mit mehreren Stunden am Stück waren naturgemäß seltener.
Und auch das ware eine gute Ausrede für mich: das lohnt sich doch nicht anzufangen, und wenn ich es dann doch gemacht habe: dann habe ich oft keinen Anknüpfungspunkt gefunden oder erstmal überlegt und strukturiert, was ich als nächstes machen muss.
Was mir gefehlt hat, war eine Routine: regelmäßig auch kleinere Einheiten und eine leichte Einstiegshürde.

Was ich heute anders machen würde: Heute lerne ich oft in Sprints und plane meine Aufgaben im Lernbacklog. Für manches setze ich mir eigene Deadlines. Auf jeden Fall stelle ich beim Aufhören immer durch eine kurze Notiz sicher, dass der nächste konkrete Schritt klar ist. Das geht fix und macht das Wiederanfangen einfach.

Lernkompetenz ist eine Fähigkeit

Zum Glück ist Lernkompetenz eine Fähigkeit, die man entwickeln kann. Und so ging es mir auch im Lauf meiner Studienzeit und darüber hinaus. Was für mich funktioniert, ist abhängig von der Lebensphase, aber auch vom Thema.
Und dann gilt natürlich auch noch: Dranbleiben ist gut, wieder anfangen aber auch.

Martina Klinkowski

Martina Klinkowski ist Lerncoachin, Trainerin und Mentorin für selbstgesteuertes Lernen und persönliches Wissensmanagement. Sie unterstützt Fach- und Führungskräfte sowie ambitionierte Selbstständige dabei, trotz hoher Belastung effizient zu lernen, Wissen sinnvoll zu strukturieren und ihre Lernkompetenz nachhaltig zu stärken. Ihre Arbeit verbindet agiles Lernen, praxisnahe Strategien und einen klaren Blick auf den beruflichen Alltag. Mehr findest du hier.

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