Wenn es um Weiterbildung geht, tauchen oft die Begriffe New Learning, Agiles Lernen, Lernen 4.0 auf. Was steckt eigentlich hinter diesen Begriffen?
Lass uns gemeinsam einen Blick darauf werfen, was die drei Ansätze unterscheidet und was sie gemeinsam haben und vor allem: was fangen wir damit an?
New Learning: Die Frage nach dem „Warum“
New Learning ist eine Frage der Haltung. Der Begriff ist eng mit dem Begriff New Work verbunden und stellt die Menschen in den Mittelpunkt.
New Learning wird geprägt durch:
- Sinnhaftigkeit (Purpose): Du lernst Dinge, die für dich und deine persönliche Entwicklung eine Bedeutung haben und die für dich wirklich relevant sind.
- Selbstbestimmung: Du verantwortest deinen Lernweg selbst und lernst selbstgesteuert.
- Gemeinschaft: Lernen findet im sozialen Austausch statt und ist von Kooperation geprägt.
- Wirksamkeit: Das Lernen bewirkt etwas und löst z.B. eine Problemstellung oder ein Bedürfnis.
New Learning soll dich stärken und deine Potenziale entfalten, braucht aber eine Kultur, die das auch möglich macht: flache Hierarchien, entsprechende Freiräume und ein wertschätzender Umgang mit informellen Lernprozessen.
Lernen 4.0: Die Frage nach dem „Womit“
Der Begriff ist eine direkte Ableitung aus Industrie 4.0. Hier steht die Infrastruktur im Fokus. Es geht darum, wie wir vernetzte und intelligente Technologien nutzen, um Lernprozesse effizienter zu machen. Dazu gehören bekannte Themen: Künstliche Intelligenz, Virtual und Augmented Reality, Internet of Things und Big Data Analysen.
Lernen 4.0 wird geprägt durch:
- Individualisierung: Systeme passen sich dem Lernstand, dem Tempo und den Präferenzen der Lernenden an.
- Verfügbarkeit: Wissen ist jederzeit und überall zugänglich.
- KI-gestützte Assistenz: KI-gestützte Systeme geben direkte Rückmeldung, beantworten Fragen oder helfen, Informationen zu strukturieren.
Dabei sollten wir berücksichtigen: Ein „smartes Lernumfeld“ alleine bringt bur begrenzt etwas, wenn die Basis nicht stimmt.
Agiles Lernen: Die Frage nach dem „Wie“
Agiles Lernen überträgt die Prinzipien der agilen Softwareentwicklung auf das Lernen. Basis ist das agile Manifest, Frameworks wie Scrum bieten die Bausteine.
Agiles Lernen bedeutet Lernen in kurzen, iterativen Zyklen (Lernsprints) – aber nicht nur.
Ein typischer Ablauf eines Lernsprints sieht so aus:
- Lernbacklog: Was muss ich können? Welche Themen haben Priorität?
- Sprint Planning: Welche Lernziele nehme ich mir für die nächsten zwei bis vier Wochen vor?
- Lernsprint: Die aktive Phase — Wissen aufnehmen, anwenden, erproben.
- Learning Review: Was habe ich gelernt? Wie kann ich es zeigen oder anwenden?
- Retrospektive: Was lief gut im Lernprozess — und was möchte ich beim nächsten Mal anders machen?
Daneben ist aber auch das agile Mindset der Lernenden ein wichtiger Baustein, z.B. Reflexion, Werte wie Mut, Offenheit und Flexibilität und Übernahme von Verantwortung.
Und auch agile Lernformate in Organisationen fallen darunter, beispielsweise Hackatons, Lunch & Learns oder Barcamps.
Future Learning: Die Frage nach der Vision für die Zukunft
Future Learning stellt eher eine Rahmenfrage: Wie können wir Menschen für die Zukunft handlungsfähig machen? Dabei geht es um die Entwicklung von Future Skills: Kompetenzen, die es ermöglichen, in komplexen, sich schnell verändernden Situationen selbstorganisiert zu handeln. Begriffe wie VUKA (Volatilität, Unsicherheit, Komplexität, Ambiguität) oder das neuere BANI (brittle, anxious, non-linear, incomprehensible) beschreiben diesen Kontext.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Alle Konzepte entspringen dem digitalen Zeitalter und teilen einige grundlegende Annahmen. Zum einen, dass Wissen aktiv erarbeitet wird und sich die Rolle von Lehrenden eher zu Lernbegleitern oder Coaches wandelt. Und der Fokus liegt auf Metakompetenzen: Es geht weniger um Faktenwissen als vielmehr um die Fähigkeit und Notwendigkeit, kontinuierlich zu lernen.
Die Unterschiede liegen im Fokus:
- Future Learning setzt auf der strategischen Ebene an. Es beantwortet die Frage: Für welche Zukunft befähigen wir Menschen und was sind die dafür notwendigen Kompetenzen?
- New Learning hat den Fokus auf die Haltung. Es beantwortet die Frage: Warum lernen wir überhaupt und für wen?
- Agiles Lernen betrachtet eher den Prozess. Es beantwortet die Frage: Wie strukturieren wir Lernen so, dass es flexibel und wirksam ist?
- Lernen 4.0 setzt auf Technologie. Es beantwortet die Frage: Welche Werkzeuge und Infrastruktur unterstützen uns dabei?
Quellen und weiterführende Links:
Foelsing, J., & Schmitz, A. (2021). New Work braucht New Learning: Eine Perspektivreise durch die Transformation unserer Organisations- und Lernwelten.
https://agilemanifesto.org/iso/de/manifesto.html
Graf, N., Gramß, D., & Edelkraut, F. (2022). Agiles Lernen: Neue Rollen, Kompetenzen und Methoden im Unternehmenskontext. (3. Auflage).