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Neugierig, aber nicht diszipliniert: Was der Big-Five-Persönlichkeitstest über mein Lernen verrät

Ordnung: 0 %. Als ich das in meinem Testergebnis gelesen habe, musste ich lachen, denn ordentlich war ich noch nie. Trotzdem habe ich mein Masterstudium neben dem Job abgeschlossen. Wie passt das zusammen? In diesem Artikel schaue ich mir an, was der Big-Five-Persönlichkeitstest über mich sagt und wie sich das auf mein Lernen auswirkt.

Ich habe den kostenlosen Big-Five-Test vom Profiling Institut gemacht. Er dauert nur ein paar Minuten und du brauchst dich nicht anzumelden. Mach ihn gern selbst und schau, ob du dich in deinem Ergebnis wiedererkennst.

Warum ich mich für Big Five entschieden habe

Den Myers-Briggs-Test habe ich auch schon gemacht. Das ist ganz nett, aber die Einteilung in feste Typen ist ziemlich umstritten. Wer den Test mehrmals macht, landet nicht selten in einem anderen Typ. Mir ist wichtig, dass ein Test wissenschaftlich fundiert ist, und das trifft auf das Big-Five-Modell zu. Vielleicht kennst du es auch als OCEAN-Modell, nach den englischen Anfangsbuchstaben der fünf Dimensionen. Du bekommst keinen Typ, du bekommst für jede Dimension einen Wert auf einer Skala.

Die fünf Dimensionen und ihre Facetten

Das Modell beschreibt Persönlichkeit mit fünf Dimensionen. In meinem Kurztest ist jede davon in drei Facetten aufgeteilt, die genauer zeigen, woraus sich ein Wert zusammensetzt. Ausführliche Testverfahren arbeiten mit sechs Facetten pro Dimension.

  • Offenheit: wie neugierig du bist und wie gern du dich auf Neues einlässt. Facetten: intellektuelle Neugier, ästhetisches Empfinden, Fantasie
  • Gewissenhaftigkeit: wie strukturiert, zielstrebig und zuverlässig du vorgehst. Facetten: Ordnung, Leistungsstreben, Verlässlichkeit
  • Extraversion: wie gesellig und energiegeladen du bist. Facetten: Geselligkeit, Durchsetzung, Energie
  • Verträglichkeit: wie kooperativ und rücksichtsvoll du mit anderen umgehst. Facetten: Mitgefühl, Rücksicht, Vertrauen
  • Neurotizismus: wie stark du auf Stress und Druck reagierst. Facetten: Besorgtheit, Niedergeschlagenheit, Gefühlsschwankung

Der Test unterscheidet außerdem zwischen einem Basistest und einer Vertiefung. Bei zwei Dimensionen kommen dabei bei mir ganz unterschiedliche Werte heraus. Die Verträglichkeit lasse ich in diesem Artikel weg, weil sie mit meinem Lernen wenig zu tun hat.

Offenheit (81 %): Ich lerne ständig irgendwas und verzettle mich dabei auch

Offenheit ist bei mir am stärksten ausgeprägt, mit Fantasie (88 %) und intellektueller Neugier (75 %) ganz vorn. Das überrascht mich kein bisschen. Ich lerne ständig irgendwas, und Neugierde ist auch einer meiner drei wichtigsten Werte.

Der Test gibt dazu einen Hinweis, bei dem ich mich ertappt fühle: Zu viel Offenheit ohne Abschluss kann zu Zerstreutheit führen. Ja, ich verzettle mich manchmal. Wenn mich etwas interessiert, will ich am liebsten sofort eintauchen, und anderes bleibt dann liegen. Gerade lese ich ein Hörbuch und zwei Papierbücher parallel, in der Warteschlange stehen schon das nächste Hörbuch und zwei weitere Bücher. Auch meine Liste mit interessanten Weiterbildungen ist lang. Kennst du das auch? Wenn ein neues Thema dich packt, rutscht dann das Studium nach hinten?

Gewissenhaftigkeit (21 bis 47 %): Ohne Hilfsmittel ginge bei mir wenig

Hier wird es spannend. Der Basistest ordnet mich mit 47 % in der Mitte ein, die Vertiefung landet bei 21 %. Noch deutlicher sind die Facetten: Ordnung 0 %, Leistungsstreben 13 %, Verlässlichkeit 50 %. Leistungsstreben beschreibt der Test so, dass ich am liebsten an dem arbeite, was mich gerade interessiert, und Ungeliebtes eher aufschiebe. Absolut, das kenne ich.

Ich bin nicht von Natur aus diszipliniert und null ordentlich. An Dinge zu denken oder etwas aufzuräumen liegt mir einfach nicht. Dass ich mein Leben trotzdem auf die Reihe kriege, hat ausschließlich mit Methoden und Strategien zu tun. Ich habe To-do-Listen, ich habe Kalender und ich stelle mir Erinnerungen im Handy für alles, an das ich denken muss. Solche Hilfsmittel brauche ich einfach. Schon in meinem Artikel Dranbleiben heißt immer wieder anfangen habe ich geschrieben, dass Disziplin und ich keine Freunde sind.

Gewissenhaftigkeit gilt in der Forschung als das Merkmal, das am deutlichsten mit Erfolg im Studium zusammenhängt. Ausgerechnet da liege ich eher niedrig, und trotzdem habe ich meinen Master geschafft, auch wenn es neun Jahre gedauert hat. Für mich heißt das: Wenn dir Disziplin nicht in die Wiege gelegt wurde, kannst du das mit guten Strategien ausgleichen.

Extraversion (19 oder 75 %?): Hauptsache selbstbestimmt

Bei der Extraversion widerspricht sich der Test selbst. Im Basistest komme ich auf 19 %, in der Vertiefung auf 75 %. Bei den Facetten liegt Geselligkeit bei 50 %, Durchsetzung bei 75 % und Energie bei 100 %. Hier sieht man gut, dass kurze Tests schwanken und man einzelne Werte nicht überbewerten sollte.

Wenn ich mir mein Lernen anschaue, kann ich es auch nicht eindeutig sagen. Ich bin okay damit, allein zu lernen. Mit anderen zusammen zu lernen macht mir aber auch Spaß, und ich mag Seminare. Ständig brauche ich das allerdings nicht. Vor allem muss es selbstbestimmt sein.

Neurotizismus (38 %): Optimistisch, manchmal auch ein bisschen blauäugig

Insgesamt liege ich hier in der Mitte, die Facetten sind aber alle niedrig: Besorgtheit 25 %, Niedergeschlagenheit 13 %, Gefühlsschwankung 13 %. Laut Test lasse ich mich selten entmutigen. Das stimmt, ich bin manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu optimistisch und auch ein bisschen blauäugig. Ich nehme mir gern zu viel vor, und Zeitplanung und ich sind keine natürlichen Freunde. „Das schaffe ich noch schnell“, denke ich, und dann gerate ich in Hektik.

Beim Lernen merke ich das vor allem beim Wiedereinstieg. In meinem Master habe ich zwei Jahre lang gar nichts gemacht. Die Pause kam schleichend, und irgendwann war die Motivation wieder da und ich habe wieder angefangen. Auch dass ich jetzt schon wieder ein Studium begonnen habe, ist der pure Optimismus.

Was das für mein Coaching heißt

Weil ich selbst nicht von Natur aus diszipliniert bin, begegne ich den Menschen, die ich begleite, mit viel Verständnis. Von mir hörst du nicht „Du musst halt disziplinierter sein“. Und auch nicht „Bei mir funktioniert es so, dann muss es bei dir auch so funktionieren“. Wir schauen gemeinsam, welche Strategien zu dir und deinem Alltag passen.

Mach gern selbst den Big-Five-Test und schau, wie sich deine Werte in deinem Lernen zeigen.


Impulse und Methoden fürs Lernen neben dem Job – aus meiner Arbeit als Lerncoach, regelmäßig in dein Postfach.


Martina Klinkowski

Martina Klinkowski ist Lerncoachin, Trainerin und Mentorin für selbstgesteuertes Lernen und persönliches Wissensmanagement. Sie unterstützt Fach- und Führungskräfte sowie ambitionierte Selbstständige dabei, trotz hoher Belastung effizient zu lernen, Wissen sinnvoll zu strukturieren und ihre Lernkompetenz nachhaltig zu stärken. Ihre Arbeit verbindet agiles Lernen, praxisnahe Strategien und einen klaren Blick auf den beruflichen Alltag. Mehr findest du hier.

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