Du betrachtest gerade Wie geht Motivation beim Lernen neben dem Job?

Wie geht Motivation beim Lernen neben dem Job?

Die Menschen, mit denen ich arbeite, bringen jede Menge Motivation mit. Sie melden sich freiwillig für ein Fernstudium oder eine anspruchsvolle Weiterbildung an, neben einem vollen Job und oft neben einer Familie. Niemand zwingt sie dazu, im Gegenteil, sie zahlen dafür oft Geld und geben Abende und Wochenenden her. Und trotzdem sitzen viele von ihnen irgendwann vor Unterlagen, die sich seit Wochen nicht bewegt haben. Für mich ist deshalb die interessante Frage, was zwischen dem motivierten Start und diesem Punkt eigentlich passiert.
Evelyn Wurster fragt in ihrer Blogparade „Motivation, wie geht das?“, wie Motivation entsteht und wie sie verschwindet. Meine Antwort darauf kommt aus zwei Richtungen: aus meiner Arbeit als Lerncoachin und aus meinem eigenen berufsbegleitenden Masterstudium.

Das Wichtigste in Kürze
👉Wie entsteht Motivation beim Lernen neben dem Job? Am Anfang entsteht sie fast von allein, aus Vorfreude und aus dem Bild vom Abschluss. Dieses Gefühl lässt nach ein paar Monaten nach, ganz unabhängig davon, wie wichtig dir dein Ziel ist.
👉 Warum reicht Motivation allein nicht aus? Motivation bringt dich zur Anmeldung. An den Schreibtisch bringt dich an einem Dienstagabend im November etwas anderes: die Fähigkeit, dein Vorhaben auch ohne Lust umzusetzen. In der Lernpsychologie heißt das Volition.
👉 Was hilft konkret? Niedrige Einstiegshürden, ein vorbereiteter Wiedereinstieg nach Pausen und selbst gesetzte Deadlines.
👉 Was macht das Dranbleiben schwer? Perfektionismus, Lernmethoden mit wenig sichtbarem Ergebnis, ein unklarer nächster Schritt und das Gefühl, damit allein zu sein.

Motivation beim Lernen ist ein Startgefühl

Am Anfang einer Weiterbildung ist Motivation kein Problem. Du hast dich informiert, verglichen, dich entschieden. Die Unterlagen kommen, du legst dir eine Struktur an, du malst dir aus, wie es sein wird, wenn du fertig bist. Dieses Gefühl trägt dich durch die ersten Wochen, manchmal durch die ersten Monate.

Dann kommt der Alltag zurück. Im Job zieht sich ein Projekt, die Kinder bringen einen Infekt mit, ein Modul entpuppt sich als deutlich zäher als gedacht. Motivation hängt von vielen Dingen ab, die du nicht steuern kannst: von deiner Energie, von deiner Gesundheit, von dem, was gerade sonst noch los ist. Sie schwankt also, und das ist völlig normal.

Mir ging es genauso. Nach einem Hochschulwechsel bin ich hoch motiviert neu gestartet, mit angerechneten Prüfungen und einem guten Plan. Ein paar Monate später war von diesem Schwung wenig übrig, und in den Jahren danach kamen immer wieder Lebensphasen dazwischen, in denen anderes Vorrang hatte. Mein Master hat deshalb deutlich länger gedauert als geplant.

Schwierig wird es an dieser Stelle vor allem im Kopf. Wenn die Lust weg ist, fängst du schnell an, an dir selbst zu zweifeln, und fragst dich, ob du das Ganze eigentlich ernst genug meinst. Dabei ist es einfach normal, dass die Motivation irgendwann nachlässt.

Was hilft, wenn die Motivation weg ist?

In der Lernpsychologie gibt es neben der Motivation einen zweiten Begriff, der im Alltag viel wichtiger ist: Volition. Damit ist die Fähigkeit gemeint, dein Vorhaben auch dann umzusetzen, wenn die Lust gerade fehlt.

Der Unterschied lässt sich leicht am eigenen Lernalltag festmachen. Motivation bringt dich zur Anmeldung, sie sorgt für den guten Vorsatz und für den Plan, den du dir am Sonntagabend machst. Volition sorgt dafür, dass du am Dienstagabend um halb neun tatsächlich das Skript aufschlägst, obwohl der Tag lang war und das Sofa sehr überzeugend aussieht.

Daraus folgt die praktisch wichtigste Erkenntnis zum Thema Motivation: Warten kostet dich am meisten. Wenn du darauf wartest, dass die Lust zurückkommt, wartest du unter Umständen wochenlang, und in dieser Zeit wächst der Berg weiter. Umgekehrt funktioniert es zuverlässiger, als die meisten erwarten. Du fängst an, arbeitest zehn Minuten, und irgendwann merkst du, dass es gerade ganz gut läuft. Das gute Gefühl kommt beim Tun, und danach hast du wieder etwas, worauf du aufbauen kannst.

Drei Dinge, die mir das Lernen neben dem Job leichter machen

Es leicht machen hilft mehr als Disziplin

Disziplin und ich sind keine Freunde, das war schon immer so. Umso wichtiger ist für mich die Frage, wie ich mir den Einstieg leicht mache. Statt „heute arbeite ich das Kapitel durch“ nehme ich mir zehn Minuten Lesezeit vor. Das ist eine Hürde, über die ich auch an einem mittelmäßigen Abend komme.

Lange habe ich gedacht, dass sich kurze Lerneinheiten kaum lohnen. Diese Annahme hat mich einiges an Lernzeit gekostet, denn sie war die perfekte Begründung dafür, an vollen Tagen gar nicht erst anzufangen. Wenn dir Disziplin auch nicht liegt, lohnt sich die Frage, wie klein dein Einstieg sein darf.

Den Wiedereinstieg vorbereiten

Am schwersten ist mir immer der Einstieg nach einer Pause gefallen. Ich wusste nicht mehr genau, wo ich stehen geblieben war, und hätte mich erst wieder hineindenken müssen. Meistens habe ich mich an dem freien Abend dann gar nicht erst hingesetzt oder nach fünf Minuten wieder aufgehört.

Heute halte ich beim Aufhören in einer kurzen Notiz fest, was der nächste konkrete Schritt ist. Das dauert eine halbe Minute, und beim nächsten Mal kann ich sofort loslegen. Dazu kommt eine Haltung, die mir geholfen hat: Nach einer Pause knüpfe ich wieder an dem an, was schon da ist. Wenn du nach jeder Unterbrechung erst suchen musst, ist das der Punkt, an dem du am schnellsten etwas veränderst.

Eigene Deadlines setzen

Die große Freiheit im Fernstudium klingt zunächst wunderbar. Ich konnte Prüfungen praktisch jederzeit schreiben und war an keine Semesterfristen gebunden. Genau diese Freiheit ist mir zum Verhängnis geworden, denn was keinen festen Termin hat, dehnt sich aus. Noch zwei Wochen warten und dafür besser vorbereitet sein, das war eine viel zu bequeme Entscheidung.

Selbst gesetzte Deadlines wirken künstlich, und trotzdem wirken sie. Wichtig ist dabei, dass du dir vorher überlegst, was „fertig“ für dich bedeutet.

Die größten Motivationskiller beim Lernen neben dem Job

Vier Muster machen das Dranbleiben besonders schwer.

  • Der Perfektionismus tarnt sich gut. Du schiebst die Prüfung, weil du dich noch nicht sicher genug fühlst, und das fühlt sich vernünftig an. In Wahrheit ist es oft Prokrastination mit gutem Argument. Mir hat der Grundsatz „gut genug für den Moment“ geholfen, gemeinsam mit der Bereitschaft, Lücken erst einmal auszuhalten.
  • Lernmethoden mit wenig sichtbarem Ergebnis ziehen viel Motivation ab. Ich habe unzählige Stunden damit verbracht, Zusammenfassungen zu schreiben, und das eigentliche Lernen dabei auf später verschoben. Das war einer meiner größten Lernfehler, denn wenn du viel Zeit investierst und danach trotzdem das Gefühl hast, nichts zu können, ist der Frust vorprogrammiert.
  • Ein unklarer nächster Schritt sorgt dafür, dass aus einer kurzen Pause eine lange wird. Je unklarer die Aufgabe vor dir ist, desto größer wird die Hürde, überhaupt anzufangen.
  • Das Alleinsein wird oft unterschätzt. Beim Lernen neben dem Job merkt niemand, wenn du aufhörst. Es gibt keine Kommilitonen im Hörsaal, keine Lerngruppe in der Mittagspause und niemanden, der beim Kaffee nachfragt, wie es mit dem Modul läuft. Damit fällt eine Unterstützung weg, die in einem Präsenzstudium einfach dazugehört.

Bedingungen schaffen statt Motivation planen

Meine Antwort auf Evelyns Frage ist unspektakulär. Motivation lässt sich durchaus beeinflussen, über sichtbaren Fortschritt, über ein gutes Warum und über ein Umfeld, das dich mitzieht. Trotzdem kannst du dich nicht darauf verlassen, dass sie ausgerechnet an dem einen freien Dienstagabend da ist. Verlassen kannst du dich auf die Bedingungen, die du dir schaffst: auf eine Einstiegshürde, die so niedrig ist, dass du sie auch an schlechten Tagen nimmst, auf eine Notiz, die dir den nächsten Schritt zeigt, auf Termine, die du selbst setzt, und auf Menschen, die verstehen, woran du gerade arbeitest.

Und dann gibt es Phasen, in denen die Umstände dir schlicht keinen Spielraum lassen. Eine Krankheit, ein Job, der gerade alles frisst, eine Familiensituation, die Vorrang hat. Da hilft auch die niedrigste Einstiegshürde nicht weiter, und dann kann eine Pause die richtige Entscheidung sein. Dann bereite dich lieber auf den Wiedereinstieg vor, statt dir Vorwürfe zu machen.

Die drei Dinge, die ich oben beschrieben habe, habe ich mir über Jahre erarbeitet, meistens erst nachdem etwas schiefgelaufen war. Und die gute Nachricht daran ist, dass du dafür nicht so viele Jahre brauchst, wenn du früher damit anfängst als ich.


Hol dir Impulse rund um berufsbegleitendes Lernen in dein Postfach!

Martina Klinkowski

Martina Klinkowski ist Lerncoachin, Trainerin und Mentorin für selbstgesteuertes Lernen und persönliches Wissensmanagement. Sie unterstützt Fach- und Führungskräfte sowie ambitionierte Selbstständige dabei, trotz hoher Belastung effizient zu lernen, Wissen sinnvoll zu strukturieren und ihre Lernkompetenz nachhaltig zu stärken. Ihre Arbeit verbindet agiles Lernen, praxisnahe Strategien und einen klaren Blick auf den beruflichen Alltag. Mehr findest du hier.

Schreibe einen Kommentar