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Fernstudium im Sommer: Wie du Lernzeit und Freizeit in Balance bringst

Draußen sind es 30 Grad, die Nachbarn grillen, und du sitzt am Laptop. Irgendwo tief in dir kämpfen gerade zwei Stimmen gegeneinander: Die eine sagt, du solltest das Kapitel zu Ende lesen. Die andere fragt, warum du eigentlich nicht einfach am See liegst.
Willkommen im Sommer mit Fernstudium.
Diese Zerrissenheit ist die Folge daraus, dass du ein Studium absolvierst, das keine Semesterferien kennt, keinen festen Stundenplan und keine äußere Struktur, und das ausgerechnet in der Jahreszeit, in der alle anderen gefühlt Pause haben.
Wie gestaltest du den Sommer so, dass du weder das Studium schleifen lässt noch auf jeden schönen Tag verzichtest? Und: macht ein Fernstudium auch mal Urlaub?

Das Wichtigste in Kürze
Was ist die größte Herausforderung im Fernstudium im Sommer?
Die fehlende Struktur. Während Präsenzstudierende durch Klausurenphasen und vorlesungsfreie Zeit gelenkt werden, müssen Fernstudierende selbst entscheiden, wann sie lernen und wann sie pausieren – ohne äußere Vorgaben.
Wie viel sollte ich im Sommer lernen? Das hängt von deinem Studientempo ab. Wichtiger als die Stundenzahl ist Regelmäßigkeit: Lieber wenige, klar begrenzte Lerneinheiten pro Woche als große Pläne, die nach drei Tagen scheitern.
Darf ich im Fernstudium Urlaub machen? Ja, und du solltest es. Echte Auszeiten sind wichtig für die kognitive Erholung und langfristige Motivation, keine verlorene Zeit.
Was hilft bei Hitze und schlechter Konzentration? Lernzeiten in die Morgenstunden verlegen, leichtere Aufgaben nach draußen verlagern und echte, bildschirmfreie Pausen einplanen.

Zwei Fallen, in die fast alle tappen

Die Aufschieberitis-Falle: „Im Herbst lerne ich wieder richtig“

Der Sommer verleitet dazu, das Lernen auf später zu verschieben. Das Wetter ist zu schön, die Energie zu niedrig, und irgendwie fühlt es sich falsch an, bei 28 Grad am Schreibtisch zu sitzen. Also wird der nächste Abschnitt auf nächste Woche verschoben, dann auf September, dann auf „wenn es wieder kühler ist“.

Hier lohnt sich eine Unterscheidung, die ich wichtig finde: Es gibt unbewusstes Aufschieben und bewusstes. Wer merkt, dass im Sommer gerade einfach nichts geht (kleine Kinder, Kita hat zu, volle Belastung im Job), und sich bewusst entscheidet, erst im September wieder einzusteigen, trifft eine realistische Entscheidung. Das ist etwas anderes als das schleichende Verschieben, bei dem man nie wirklich aufhört zu planen, aber auch nie wirklich anfängt zu lernen.

Wer sagt „Ich mache jetzt bis Ende August Pause und starte dann mit einem klaren Plan“, kann in dieser Zeit wirklich loslassen. Wer sagt „Ich fange nächste Woche an“ und das jede Woche neu, hat im Herbst denselben Stoff vor sich, nur mit schlechtem Gewissen.

Die Perfektionismus-Falle: Sommer wie immer, nur mit schlechtem Gewissen

Das andere Extrem ist genauso erschöpfend. Du versuchst, trotz Hitze, Urlaubsplänen und Familienleben dieselbe Lernleistung zu bringen wie im Winter. Der Plan ist ambitioniert, die Realität hält nicht mit, und das Ergebnis ist ein dauerhaft schlechtes Gewissen, egal was du gerade machst. Beim Lernen denkst du ans Grillen, beim Grillen denkst du ans Lernen. Der Weg aus dieser Falle führt über einen realistischeren Plan.

Lernzeiten im Sommer klug legen

Kühle Stunden nutzen und früh fertig sein

Einer der häufigsten Tipps für den Sommer: Lerne morgens. Der Grund ist pragmatisch: Es ist kühler, du bist ausgeruhter, und wenn du dein Tagesziel bis 9 oder 10 Uhr erreicht hast, gehört der Rest des Tages dir.

Ich gebe zu, dass mir das nicht immer leicht fällt. Ich bin eine Eule und bin abends gerne lang wach. Im Sommer kommt für viele dazu: Wenn es draußen bis 23 Uhr warm bleibt, schläft man oft später ein und steht später auf. Der kühle Morgen ist dann schon vorbei, bevor man richtig in Gang gekommen ist. Was ich trotzdem gelernt habe: Frühes Aufstehen fühlt sich im Sommer leichter an als im Winter, weil es um 6 Uhr schon hell ist. Es braucht vielleicht ein bisschen Anlauf. Und wenn du auch eine Eule bist wie ich: Ein langer Abend, an dem die Temperatur langsam erträglicher wird, kann auch eine Alternative sein, um draußen zu lernen.

Was hilft beim Lernen bei Hitze?

Hitze wirkt sich direkt auf die Konzentration aus, weil der Körper einen Teil seiner Energie dafür aufwendet, sich kühl zu halten. Für anspruchsvolle Denkarbeit bleibt dann einfach weniger übrig.

Was hilft: Lernzeiten in die kühleren Tageszeiten legen, also früh morgens oder abends, den Raum abdunkeln, und an wirklich heißen Tagen die Aufgaben bewusst leichter wählen. Wer kein Büro mit Klimaanlage hat, kennt das: Man versucht mit allem, was geht, die Temperatur erträglich zu halten. Ich hatte früher ein Büro ohne Klimaanlage und habe mir Eiswürfel in der Thermoskanne mitgenommen. Hilft. An einem solchen Tag ist es völlig in Ordnung, nur zu lesen oder Vorlesungsaufzeichnungen zu schauen statt schwieriger Kapitel durchzuarbeiten.

Maximal 60 % des Tages verplanen

Ein häufiger Fehler bei der Sommerplanung: Der Tag wird von früh bis spät zugeplant, ohne Puffer. Dann reicht ein einziger unerwarteter Termin, um den ganzen Plan zum Kippen zu bringen, und mit ihm die Motivation.

Eine Faustregel, die ich sinnvoll finde: Maximal 60 % der verfügbaren Zeit fest einplanen. Die restlichen 40 % sind Puffer für das, was der Alltag so mitbringt: ein spontaner Anruf, ein Kind mit Bauchschmerzen, eine heiße Stunde, in der Konzentration einfach nicht geht. Wer das berücksichtigt, kommt am Abend öfter ans Ziel.

Nicht jedes Lernen braucht den Schreibtisch

Welche Lernaufgaben brauchen wirklich volle Konzentration?

Hier lohnt es sich, ehrlich zu sortieren. Manche Aufgaben brauchen wirklich einen ruhigen Arbeitsplatz, volle Konzentration und am besten einen kühlen Raum: komplexe Berechnungen, das Schreiben von Hausarbeiten, das Durcharbeiten schwieriger Kapitel. Diese Aufgaben gehören in die Morgenstunden und an den Schreibtisch.

Aber vieles, was zum Studium gehört, braucht gar nicht so viel Konzentration, und das geht genauso gut woanders.

Leichteres Lernen nach draußen verlagern

Studienhefte lesen, Vorlesungsaufzeichnungen anhören, Podcasts zu Studienthemen hören, erste orientierende Recherchen machen – vieles davon geht auch im Park, auf dem Balkon oder in der Hängematte im Garten. Mit einem guten Kopfhörer und einem stabilen Datentarif lässt sich erstaunlich viel vom Schreibtisch wegverlagern.

Ich muss hier aber ehrlich sein: Das sieht in der Theorie charmanter aus als in der Praxis. Mein Balkon geht nach Süden, bei 30 Grad kann man da nachmittags einfach nicht lernen. Was ich gelernt habe: Draußen lernen funktioniert sehr gut, um angenehme Tage zu genießen und im Schatten. An wirklich heißen Tagen ist der kühle Raum (für mich) die bessere Wahl.

Du verlagerst also die leichten Aufgaben nach draußen, wenn es geht, und schützt damit die schwierigen Aufgaben für deine konzentriertesten Stunden.

Pausen, die wirklich Pausen sind

Warum ist Handy-Scrollen keine Pause?

Kurz mal Instagram checken, schnell die Nachrichten lesen, den Chat-Verlauf durchscrollen… Für das Gehirn bedeutet jeder neue visuelle Input neue Verarbeitungsarbeit. Die Nervenzellen bleiben im Zustand der Reizüberflutung, die Erschöpfung steigt weiter.

Plane auch bildschirmfreie Pausen. Schon 5 bis 10 Minuten Bewegung, ein Blick aus dem Fenster oder kurz dehnen helfen dem Kopf, wieder runterzukommen.

Dein Gehirn lernt in der Pause weiter: der Spacing-Effekt

Es gibt einen guten Grund, warum Bulimielernen kurz vor der Prüfung so schlecht funktioniert: Das Gehirn braucht Zeit, um Gelerntes zu festigen. Wer heute zwei Stunden lernt, morgen etwas anderes macht und übermorgen wiederholt, behält mehr als jemand, der dieselben sechs Stunden an einem Tag durchlernt.
Der Sommer ist dafür eigentlich ideal. Morgens eine kurze Einheit am Schreibtisch, nachmittags im Park die Notizen nochmal durchlesen, übermorgen wiederholen während man in der Hängematte liegt: Das ist verteiltes Lernen und funktioniert besser als der Marathon am Wochenende.

Urlaub im Fernstudium: Ja oder Nein?

Darf ich im Fernstudium wirklich Urlaub machen?

Fernstudierende haben meistens keine Semesterferien. Das verleitet dazu, Urlaub als etwas zu betrachten, das man sich erst verdienen muss: nach der nächsten Klausur, nach dem nächsten Modul, nach dem nächsten Semester. Nur kommt dieser Moment selten, weil immer etwas Nächstes wartet.

Ich kenne das aus eigener Erfahrung gut. Ich habe jahrelang Bücher und Studienunterlagen in den Urlaub mitgenommen – und ungelesen wieder mit zurück genommen. Irgendwann, spätestens seit ich Kinder habe, war mir klar: Das funktioniert nicht. Weder das Lernen noch die Erholung. Vor Kurzem hatte ich zum ersten Mal einen Urlaub fast ohne Laptop.

Echte Erholung ist eine Voraussetzung dafür, dass du danach wieder durchstarten kannst. Wenn du dauerhaft ohne Auszeit durcharbeitest, endet das irgendwann in Motivationslosigkeit oder Blockaden. Eine Woche ohne Studium kann daher gut investierte Zeit sein.

Wie du eine Urlaubswoche vor- und nachbereitest

Damit Urlaub wirklich Urlaub ist, lohnt sich eine kleine Vorbereitung. Konkret heißt das: In der Woche vor dem Urlaub offene Aufgaben abschließen und keine neuen Baustellen aufmachen. Dann kannst du in der Urlaubswoche wirklich loslassen, ohne das Gefühl, dass du eigentlich lernen müsstest.

Nach dem Urlaub wartet kein Rückstand auf dich. Du warst weg, du hast dich erholt, und jetzt geht es weiter. Am ersten Tag reicht es, einen Überblick zu verschaffen und mit leichten Aufgaben wieder reinzukommen.

Du musst dich nicht zwischen Studienfortschritt und Lebensqualität entscheiden, wenn du die Rahmenbedingungen klug setzt

Kühle Morgen- oder Abendstunden nutzen, leichte und schwere Aufgaben bewusst trennen, echte Pausen einplanen und dir erlauben, auch mal wirklich Urlaub zu machen: Das ist ein Lernsystem, das zur Realität des Sommers passt.

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie du dir ein Lernsystem aufbaust, das auch unter Druck trägt – nicht nur im Sommer – dann komm in meinen Newsletter. Dort teile ich regelmäßig Methoden, Impulse und ehrliche Einblicke aus meiner Arbeit als Lerncoach.


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Martina Klinkowski

Martina Klinkowski ist Lerncoachin, Trainerin und Mentorin für selbstgesteuertes Lernen und persönliches Wissensmanagement. Sie unterstützt Fach- und Führungskräfte sowie ambitionierte Selbstständige dabei, trotz hoher Belastung effizient zu lernen, Wissen sinnvoll zu strukturieren und ihre Lernkompetenz nachhaltig zu stärken. Ihre Arbeit verbindet agiles Lernen, praxisnahe Strategien und einen klaren Blick auf den beruflichen Alltag. Mehr findest du hier.

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