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5 Zeichen, woran ich sofort merke, dass deine Lernstrategien dich Zeit kosten – und was du heute ändern kannst

Im Bachelor habe ich eine Prüfung mit 51 von 100 Punkten bestanden, und zum Bestehen brauchte ich 50. Der Rechenteil war mit Unterlagen, und dort hatte ich alle 45 Punkte. Im Teil ohne Unterlagen kamen von 55 möglichen Punkten gerade mal 6 dazu. Ich hatte mir eine Zusammenfassung geschrieben. Allerdings war die eher abgetippt als durchdacht. Und das Lernen hatte ich so lange vor mir hergeschoben, dass nicht mehr viel Zeit war.

Heute weiß ich, dass es an meinen Lernstrategien lag. Inzwischen erkenne ich die Zeichen dafür sofort, und einige der Zeichen in diesem Artikel kenne ich aus meinem eigenen Studium. Hier zeige ich dir, woran du merkst, dass deine Lernstrategien dich Zeit und Punkte kosten, und was du heute schon ändern kannst.

Das Wichtigste in Kürze
👉 Viel Markieren, wiederholtes Lesen und lange Zusammenfassungen fühlen sich nach Lernen an, bringen aber wenig, wenn du den Stoff dabei nicht aktiv verarbeitest.
👉 Typische Zeichen sind halb gelbe Studienbriefe, Texte, die du zum Merken einfach nochmal liest, Aufzählungen, die nicht hängen bleiben, Probleme bei Verständnisfragen und Zusammenfassungen, die du erst noch lernen musst.
👉 Aktives Lesen, Mnemotechniken und Mindmaps helfen dir, schneller zu verstehen und mehr zu behalten.
👉 Du musst nicht alles auf einmal ändern. Fang mit der Strategie an, die zu dem Zeichen passt, das dich am meisten bremst.

1. Deine Studienbriefe sind zur Hälfte gelb

Wenn du deinen Studienbrief, dein Skript oder dein Fachbuch aufschlägst und mehr gelbe als weiße Zeilen siehst, hast du beim Markieren kaum ausgewählt. Beim ersten Lesen wirkt fast alles wichtig, weil du noch nicht weißt, worauf das Kapitel hinausläuft. Also streichst du an, was dir wichtig erscheint, und am Ende ist es die halbe Seite. Mir ging es genauso: Ich habe mit vielen Textmarkern gearbeitet, und für mich war genau das aktives Lesen. Beim Markieren fühlst du dich beschäftigt, dein Kopf tut dabei aber nicht zwangsläufig viel. Einfach lesen und markieren gehört deshalb zu den Strategien, die beim Lernen wenig bringen.1

2. Du liest den Text nochmal, um ihn dir zu merken

Du liest das Kapitel ein zweites Mal und denkst, dass du das doch alles kennst. Sobald du den Studienbrief zuklappst und erklären willst, was drinstand, bleibt aber wenig übrig. Das liegt daran, dass Wiedererkennen und selbst Abrufen zwei verschiedene Dinge sind. Beim wiederholten Lesen wird dir der Text vertraut, und dieses Gefühl hältst du leicht für Wissen.2 In der Prüfung liegt der Text aber nicht vor dir. Bei mir kam damals noch die abgetippte Zusammenfassung dazu, ich war also fleißig, hängen geblieben ist trotzdem kaum etwas.

3. Begriffe oder Aufzählungen wollen einfach nicht in den Kopf, egal wie oft du sie wiederholst

Vielleicht sollst du dir die fünf Merkmale eines Modells oder die sieben Phasen eines Prozesses merken. Du liest sie, sagst sie dir vor und liest sie nochmal, und am nächsten Tag fehlen trotzdem zwei. Irgendwann schiebst du das Auswendiglernen vor dir her oder vermeidest es, wo es nur geht. Das kenne ich gut: Mit Aufzählungen hatte ich riesige Probleme, und Auswendiglernen habe ich gemieden, wo ich konnte. Stures Wiederholen klappt schlecht, weil du den Stoff dabei kaum mit dem verknüpfst, was du schon weißt.

4. Bei Übungsaufgaben, die mehr als Wiedergeben verlangen, kommst du ins Schwimmen

Definitionen kannst du aufsagen, aber sobald eine Aufgabe fragt, warum etwas so ist oder wie zwei Themen zusammenhängen, wird es schwierig. Dafür kann es verschiedene Gründe geben: Vielleicht fehlt dir das Bild, wie die einzelnen Themen zusammenpassen, vielleicht hast du den Stoff noch nicht ganz verstanden, oder es fällt dir schwer, das Gelernte auf eine neue Situation zu übertragen. Spätestens bei Übungsaufgaben, in denen du etwas anwenden, vergleichen oder begründen sollst, merkst du diese Lücke.

5. Deine Zusammenfassung ist fertig, und jetzt musst du sie noch lernen

Ich habe früher oft perfekte Zusammenfassungen gemacht, mit Bildern und sauberer Struktur. Das hat Abende gedauert und sich richtig produktiv angefühlt. Zur Prüfung angemeldet habe ich mich trotzdem ewig nicht, weil ich ja erst noch alles lernen musste. Genau da steckt die Falle: Solange du an der Zusammenfassung arbeitest, schiebst du das eigentliche Lernen vor dir her. Wenn du dabei vor allem abschreibst und schön gestaltest, hast du am Ende ein tolles Dokument und fängst mit dem Lernen trotzdem bei null an. Zusammenfassen bringt dir nur dann etwas, wenn du den Stoff dafür wirklich durchdenkst und in eigenen Worten formulierst.1

Lernstrategien, die du heute ändern kannst

Du musst nicht alle fünf Zeichen auf einmal angehen. Such dir das Zeichen aus, das dich gerade am meisten bremst, und probier die passende Strategie beim nächsten Lernen aus.

Aktives Lesen

Aktives Lesen hilft dir bei halb gelben Studienbriefen, bei Texten, die du zum Merken einfach nochmal liest, und bei Zusammenfassungen, die du erst noch lernen musst. Beim aktiven Lesen stellst du dem Text Fragen und prüfst danach, was hängen geblieben ist. Die SQ3R-Methode gibt dir dafür einen festen Ablauf: Du verschaffst dir zuerst einen Überblick über das Kapitel, formulierst Fragen, liest abschnittsweise, gibst nach jedem Abschnitt in eigenen Worten wieder, was du verstanden hast, und prüfst zum Schluss, wie alles zusammenhängt und welche Fragen noch offen sind. Du markierst erst nach einem Abschnitt, wenn du schon weißt, was wirklich wichtig ist. Und deine Zusammenfassung entsteht beim Wiedergeben aus dem Kopf, also genau in dem Moment, in dem du lernst.

Probier es beim nächsten Lernen so aus: Lies einen Abschnitt und markier erst danach, was wirklich wichtig ist. Dann klapp den Studienbrief zu und gib in eigenen Worten wieder, was drinstand.

Mnemotechniken

Wenn Begriffe und Aufzählungen nicht in den Kopf wollen, fehlt ihnen die Verknüpfung mit dem, was du schon weißt, und Mnemotechniken helfen dir, sie herzustellen. Davon gibt es verschiedene, und eine der einfachsten ist die Geschichtentechnik. Dabei verknüpfst du die Begriffe, die du dir merken willst, zu einer kurzen Geschichte. Je bildhafter und schräger die Geschichte ist, desto besser bleibt sie hängen.

Probier es so aus: Nimm die Begriffe, die dir gerade am meisten Ärger machen, und denk dir eine kurze Geschichte aus, in der jeder davon vorkommt. Geh sie danach in Gedanken noch einmal durch.

Mindmapping

Für Verständnisfragen brauchst du den Überblick, wie die Themen zusammenhängen. Eine Mindmap hilft dir, die Inhalte zu ordnen und Verbindungen zwischen den Kapiteln sichtbar zu machen. Je klarer du siehst, wo ein Begriff hingehört, desto leichter kannst du ihn auch anwenden und begründen.

Probier es so aus: Nimm dir zwei Kapitel, die du schon gelernt hast, und zeichne eine Mindmap dazu. Schreib an jede Verbindungslinie, wie die beiden Punkte zusammenhängen. An den Stellen, an denen dir nichts einfällt, weißt du genau, was du dir nochmal anschauen solltest.

Gute Lernstrategien sparen dir Zeit

Beim Markieren, Nochmal-Lesen und Abtippen fühlst du dich produktiv, und genau damit verlierst du Zeit, die du neben dem Job kaum übrig hast. Fang mit dem Zeichen an, das du bei dir am deutlichsten siehst, probier die passende Strategie ein, zwei Wochen aus und achte darauf, was sich verändert.


Wo klemmt es bei dir gerade?

Wenn du dich in mehreren Punkten wiedererkannt hast: In fünf Minuten findest du heraus, wo deine eigentliche Lernbaustelle liegt – und was der sinnvollste nächste Schritt ist.


  1. Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J. & Willingham, D. T. (2013). Improving Students‘ Learning With Effective Learning Techniques. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4–58. Markieren, wiederholtes Lesen und Zusammenfassen werden dort als wenig wirksam eingestuft. Beim Zusammenfassen hängt der Nutzen stark davon ab, wie geübt man darin ist. ↩︎
  2. Koriat, A. & Bjork, R. A. (2005). Illusions of competence in monitoring one’s knowledge during study. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition, 31(2), 187–194. ↩︎

Martina Klinkowski

Martina Klinkowski ist Lerncoachin, Trainerin und Mentorin für selbstgesteuertes Lernen und persönliches Wissensmanagement. Sie unterstützt Fach- und Führungskräfte sowie ambitionierte Selbstständige dabei, trotz hoher Belastung effizient zu lernen, Wissen sinnvoll zu strukturieren und ihre Lernkompetenz nachhaltig zu stärken. Ihre Arbeit verbindet agiles Lernen, praxisnahe Strategien und einen klaren Blick auf den beruflichen Alltag. Mehr findest du hier.

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