„Das muss dieses Jahr noch fertig werden.“ Das nehmen sich viele im November vor, und dann kommt der Dezember mit Weihnachtsfeiern, Geschenken und einem Kalender, der vorher schon voll war. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du deine Lernplanung im Dezember realistisch aufsetzt, damit du vor Weihnachten trotzdem etwas abhaken kannst und mit gutem Gewissen in die Ferien gehst.
| Das Wichtigste in Kürze 👉 Das Jahresende ist meistens keine echte Frist. Echte Fristen sind Abgabetermine, Prüfungstermine oder ein Anmeldeschluss. 👉 Ein Lernsprint mit festem Endpunkt, etwa deinem letzten Tag vor den Ferien, gibt dir im Dezember einen klaren Rahmen. 👉 Im Dezember bleibt meistens weniger Lernzeit, deshalb darf dein Sprint kleiner ausfallen. 👉 In den Sprint kommt nur, was jetzt sein muss. Was warten kann, planst du für Januar ein. 👉 Eine bewusste Pause und ein kurzer Rückblick sorgen dafür, dass du in den Ferien wirklich abschalten kannst. |
Muss das wirklich noch dieses Jahr fertig werden?
Das Jahresende fühlt sich für viele wie eine Frist an, ist es aber meistens nicht. Echte Fristen sind ein Abgabetermin, der Prüfungstermin oder ein Anmeldeschluss. Liegt deine Abgabe im Januar, ist der Dezember kein Stichtag, und allein das nimmt schon viel Druck raus.
Trotzdem willst du im Dezember noch etwas schaffen. Vollgas bis Heiligabend muss es dafür nicht sein, denn ein kleines Ziel, das du wirklich abhaken kannst, reicht völlig.
Lernplanung im Dezember: So planst du deinen Sprint
Ich plane mein Lernen in Lernsprints, eine Methode, die ich aus meinen vielen Jahren in der agilen Projektarbeit mitgebracht habe. Ein Sprint ist ein klar begrenzter Zeitraum, für den du dir konkrete Aufgaben aus deinem Backlog vornimmst, also aus der Liste mit allem, was du noch lernen willst oder musst. Meine Sprints dauern meistens vier Wochen, und selbst nach einer chaotischen Woche weiß ich damit genau, wo ich weitermache. Wie das im Detail funktioniert, erkläre ich im Artikel Der Lernsprint als Rahmen für Weiterbildung und Studium.
1. Leg fest, wann dein Sprint endet
Entscheide zuerst, ob du über Weihnachten Pause machen willst, denn davon hängt das Ende deines Sprints ab. Mit Pause endet er zum Beispiel an deinem letzten Tag vor den Ferien. Früher habe ich in den Weihnachtsferien gern gearbeitet, weil es so ruhig war, aber das war, bevor ich Kinder hatte. Heute mache ich über Weihnachten eine Sprintpause und folge dem Rhythmus der Lernkompass Community: Dort endet der November-Sprint eine Woche vor den Ferien, und der nächste startet erst danach.
Wichtig ist, dass du dich bewusst entscheidest. Wenn du im Urlaub ständig denkst, du müsstest eigentlich noch etwas lernen, nimmst du das schlechte Gewissen mit in die Ferien und erholst dich kaum. Plane deine Lernzeit über die Feiertage also entweder fest ein oder entscheide dich klar für die Pause.
2. Rechne mit der Zeit, die dir wirklich bleibt
Im Dezember steht vieles schon fest, bevor du mit der Planung anfängst:
- Termine wie die Weihnachtsfeier, manchmal auch zwei oder drei davon
- Weihnachtsmarkt, Plätzchen backen, der Adventskalender oder ein Wichtel, der ganz schön viel Chaos macht
- Geschenke, Deko und der Baum
- Arbeit, die vor Weihnachten unbedingt noch fertig werden soll
All das ist planbar und braucht Zeit, genauso wie dein Lernen. Bei vielen bleibt im Dezember deshalb weniger Lernzeit, und dein Sprint darf kleiner ausfallen als in einem normalen Monat.
Plane außerdem einen Puffer ein, zum Beispiel für ein krankes Kind oder Tage, an denen dir die Energie fehlt. Der häufigste Fehler ist, zu viel einzuplanen. Dann sieht der Plan auf dem Papier machbar aus und bricht beim ersten Gegenwind zusammen. Ich kenne das gut, denn ich hätte am liebsten Tage mit 48 Stunden.
3. Sammle alles Offene und sortiere es
Schreib alles auf, was offen ist, auch das, was dir ein schlechtes Gewissen macht. Ganz oben landen dabei oft Aufgaben, die sich wichtig anfühlen oder schon lange auf der Liste stehen, obwohl sie gar nicht jetzt dran sind. Prüf deshalb bei jedem Punkt die Frist und sortiere ihn in eine von drei Gruppen:
- Muss jetzt sind prüfungsrelevante Themen vor einer anstehenden Prüfung oder eine Hausarbeit mit festem Abgabetermin.
- Kann warten ist wichtig, muss aber nicht vor Weihnachten fertig werden.
- Wäre schön ist interessant und lässt sich ohne echten Verlust verschieben.
In den Sprint kommt nur, was jetzt sein muss. Was warten kann, planst du mit gutem Gewissen für Januar ein, und der Rest bleibt im Backlog. Dort geht nichts verloren, und du kannst jederzeit ergänzen, verschieben oder streichen. Wie du deinen Backlog regelmäßig sortierst, liest du im Artikel Backlog Refinement: Orientierung im selbstgesteuerten Lernen.
4. Formuliere Aufgaben mit „Fertig, wenn“
Jede Aufgabe sollte so konkret sein, dass du weißt, wann sie erledigt ist. „Die Übungsfragen zu Kapitel 3 sind beantwortet“ kannst du abhaken, bei „Kapitel 3“ weißt du das nie so genau. Nimm dir nur so viele Aufgaben vor, wie realistisch sind. Zwei oder drei erledigte Aufgaben zählen auch dann, wenn das ganze Modul noch nicht durch ist.
Wenn dein Sprint langsamer läuft als geplant
Wenn bei mir ein Tag schlechter läuft, passe ich meine Erwartung an und lasse den Plan trotzdem stehen. Wird es insgesamt eng, nimmst du eine Aufgabe raus oder lässt sie übrig, nur die wichtigste bleibt drin. Ein langsamer Sprint ist dabei kein Scheitern, denn mit jedem Sprint merkst du besser, wie viel in deinen Monat passt, auch in deinen Dezember.
So schließt du deinen Sprint vor den Ferien ab
- Schließ in der letzten Woche vor der Pause deine Aufgaben ab und fang nichts Neues mehr an.
- Mach einen kurzen Rückblick mit zwei Fragen: Was habe ich erreicht, und wie habe ich gelernt?
- Gib allem, was offen geblieben ist, mit Blick auf Januar einen Platz im Backlog.
Der Rückblick zeigt dir, was du geschafft hast. Als ich für einen Jahresrückblick meine Weiterbildungen gesammelt habe, ist mir erst dabei klar geworden, wie viel das eigentlich war. Und weil im Januar klar definierte Aufgaben auf dich warten, kannst du in den Ferien wirklich loslassen und danach deinen nächsten Sprint direkt aus dem Backlog planen.
Fazit: weniger vornehmen, mehr abhaken
Bei deiner Lernplanung im Dezember muss nicht alles bis zum Jahresende fertig werden. Ein kleines Ziel, das du wirklich abhaken kannst, ist mehr wert als ein großer Plan, der untergeht und dir die Ferien verdirbt. Schau deshalb auf deine Liste: Was ist wirklich bis Weihnachten fällig, und was geht einfach im Januar weiter?
Dein nächster Schritt
Im Minikurs „Lernplanung ohne schlechtes Gewissen“ legst du in etwa einer Stunde fest, wie viel Zeit dir wirklich bleibt, wann ein Thema für dich erledigt ist und was in deinen nächsten Sprint kommt.